Namenskunde

Kaum eine Frage begleitet Ahnenforscher so hartnäckig wie diese: Was bedeutet mein Name eigentlich – und woher kommt er? Die Namenskunde gibt darauf Antworten, aber selten so einfache, wie man sie sich wünscht. Diese Seite erklärt, was Namenskunde ist, wie sie entstanden ist, was Vornamen von Familiennamen unterscheidet, welche Bedeutung hinter Nachnamen steckt – und wie Sie beides für Ihre Familienforschung nutzen. Über das Vornamenlexikon und das Nachnamenlexikon von Ahnenforschung.net schlagen Sie jeden Namen direkt nach.

Was ist Namenskunde?

Die Namenskunde – fachsprachlich Onomastik, von griechisch ónoma „Name“ – ist die Wissenschaft von den Eigennamen. Sie untersucht, wie Namen entstehen, welche Bedeutung ihre Bestandteile ursprünglich hatten, wie sie sich lautlich und schriftlich verändern und wie sie sich geografisch verteilen. Formal ist sie ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft, praktisch arbeitet sie eng mit Geschichts-, Siedlungs- und Rechtsgeschichtsforschung zusammen. Genau diese Verbindung macht sie für die Ahnenforschung so ergiebig: Ein Name ist immer auch ein historisches Dokument.

Im deutschen Sprachgebrauch stehen „Namenskunde“ und „Namenkunde“ nebeneinander; die Fachliteratur bevorzugt meist die Form ohne Fugen-s, die Alltagssprache die mit. Gemeint ist dasselbe. Wer sich in der Genealogie mit Namen beschäftigt, spricht außerdem oft von Namensforschung – im Ergebnis dieselbe Sache, nur stärker auf die eigene Familie bezogen.

Die Teilgebiete der Onomastik

TeilgebietGegenstandBeispiele
Anthroponomastik
(Personennamenkunde)
Vornamen, Familiennamen, Bei- und Übernamen, Haus- und HofnamenKatharina, Schmidt, „der Lange“, Brinkmann
Toponomastik
(Ortsnamenkunde)
Siedlungs-, Flur- und LandschaftsnamenSigmaringen, Bergheim, „Auf dem Sand“
HydronymieGewässernamen, oft die ältesten Namen überhauptWeser, Fulda, Isar
EthnonymieNamen von Völkern und GruppenSachsen, Schwaben, Wenden
ChrematonymieNamen von Sachen, Werken, EinrichtungenHof-, Glocken- und Schiffsnamen

Für die Familienforschung sind vor allem die ersten beiden Felder relevant – und sie greifen ständig ineinander: Ein großer Teil der deutschen Familiennamen geht auf Ortsnamen zurück, und viele Ortsnamen wiederum auf Personennamen. Wer im Forum in die Ortsnamenfrage einsteigen will, findet dafür das Unterforum Orts- und topographische Namen.

Was die Namenkunde für die Ahnenforschung leistet – und was nicht

Das leistet sie

  • Sie erklärt, warum derselbe Name in einem Kirchenbuch fünf Schreibweisen hat – und macht die Suche dadurch treffsicherer.
  • Sie ordnet Namentypen Regionen zu und grenzt so Suchräume ein.
  • Sie entschlüsselt latinisierte Formen, Kurz- und Koseformen, die sonst als eigene Personen missverstanden werden.
  • Sie erklärt die Namensgebungspraxis (Paten, Leitnamen, Nachbenennung) und liefert damit Verwandtschaftshinweise.
  • Sie datiert Ortsnamen und damit indirekt Siedlungsvorgänge.

Das leistet sie nicht

  • Sie beweist keine Verwandtschaft. Namensgleichheit ist ein Anhaltspunkt, kein Beleg.
  • Sie nennt keinen sicheren Herkunftsort. Auch Herkunftsnamen führen meist nur auf eine Landschaft, nicht auf ein Dorf.
  • Sie liefert kein Wappen. Wappen gehören Familien, nicht Namen.
  • Sie liefert selten die eine Bedeutung. Für die meisten Namen konkurrieren mehrere begründete Deutungen.

Ein Familienname ist eine Spur, kein Beweis. Er sagt Ihnen, wo Sie suchen sollten – nicht, was Sie gefunden haben.

Herkunft der Namenskunde

Antike und Mittelalter: Deutung ohne Methode

Über die Bedeutung von Namen wird nachgedacht, seit es Schriftlichkeit gibt. Platons Dialog Kratylos stellt bereits die Grundfrage, ob Namen ihren Trägern natürlich zukommen oder bloß willkürlich zugewiesen sind. Isidor von Sevilla trug im 7. Jahrhundert in seinen Etymologiae Namensdeutungen zusammen, die das gesamte Mittelalter prägten. Gemeinsam ist diesen frühen Zugängen ein Verfahren, das aus heutiger Sicht der Kern des Problems ist: Man deutete Namen aus dem Wortschatz der eigenen Gegenwart.

Dieses Verfahren heißt Volksetymologie – und es ist bis heute die häufigste Fehlerquelle in Namensdeutungen, auch in gedruckten Nachschlagewerken. Zwei Beispiele: Der Familienname Schröder hat nichts mit Schrott zu tun, sondern bezeichnet den Tuchschröter, also den Schneider. Und Kohl führt in vielen Fällen nicht auf das Gemüse, sondern auf eine Kurzform von Nikolaus. Wer ausschließlich vom heutigen Wortsinn ausgeht, landet zuverlässig beim falschen Ursprung.

Das 19. Jahrhundert: Namenkunde wird Wissenschaft

Zur eigenständigen Disziplin wurde die Namenkunde erst, als die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft die Werkzeuge dafür lieferte. Statt aus der Gegenwart zu deuten, verglich man nun historische Belegformen und rekonstruierte daraus Lautentwicklungen. Drei Namen markieren diesen Übergang im deutschen Sprachraum:

  • August Friedrich Pott legte 1853 mit Die Personennamen, insbesondere die Familiennamen und ihre Entstehungsarten die erste systematische Typologie vor – die Einteilung in Rufnamen-, Herkunfts-, Wohnstätten-, Berufs- und Übernamen geht im Kern auf diese Tradition zurück.
  • Ernst Förstemann schuf ab 1856 mit dem Altdeutschen Namenbuch die bis heute unersetzte Sammlung der althochdeutschen Personen- und Ortsnamen. Wer einen germanischen Vornamen bis auf seine Bestandteile zurückverfolgen will, landet früher oder später bei Förstemann.
  • Albert Heintze veröffentlichte 1882 Die deutschen Familiennamen, das über die Bearbeitungen von Paul Cascorbi das populärste Familiennamenbuch des frühen 20. Jahrhunderts wurde.

20. Jahrhundert bis heute: Karten statt Vermutungen

Adolf Bachs Deutsche Namenkunde (ab 1952) ordnete das Fach neu und gilt weiterhin als Referenz. Populär wurde daneben Hans Bahlows Deutsches Namenlexikon – hier ist allerdings Vorsicht geboten: Bahlows These, ein Großteil der deutschen Namen gehe auf vorgeschichtliche Wasser- und Sumpfwörter zurück, gilt in der Fachwissenschaft als widerlegt. Das Buch steht in vielen Regalen und wird in Foren gern zitiert; seine Deutungen sollten Sie grundsätzlich gegenprüfen.

Den größten methodischen Sprung brachte die Kartierung. Mit dem Deutschen Familiennamenatlas (herausgegeben von Konrad Kunze und Damaris Nübling, fünf Bände, 2009–2018) und dem Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD, seit 2012 an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz) liegen erstmals flächendeckende Verbreitungsdaten vor. Damit lässt sich prüfen, ob eine Deutung überhaupt zur räumlichen Verteilung eines Namens passt – ein Berufsname müsste breit gestreut auftreten, ein Herkunftsname konzentriert. Für den schnellen Einstieg leistet Konrad Kunzes dtv-Atlas Namenkunde hervorragende Dienste; fachlicher Austausch findet unter anderem in der Gesellschaft für Namenkunde und ihrer Zeitschrift Namenkundliche Informationen statt.

Für die Praxis heißt das: Eine Namensdeutung ist heute nur so gut wie ihre Belege. Genau deshalb nennt das Namenslexikon von Ahnenforschung.net bei strittigen Namen mehrere konkurrierende Deutungen nebeneinander statt einer scheinbar sicheren – mit Begründung und Quellenhinweis.

Was sind Vornamen?

Der Vorname ist der Individualname: Er unterscheidet die einzelne Person innerhalb der Familie. Historisch ist er der ältere der beiden Namensteile – über Jahrhunderte war er der einzige Name, den ein Mensch trug. Erst als die Bevölkerung wuchs und die Zahl der gebräuchlichen Vornamen durch die Christianisierung schrumpfte, brauchte es zusätzliche Unterscheidungsmerkmale. Aus ihnen wurden die Familiennamen.

Vorname, Taufname, Rufname – drei Begriffe, ein Missverständnis

Diese Unterscheidung kostet Anfänger regelmäßig Wochen:

  • Vorname – der amtlich eingetragene Name. Vor 1876 existiert er in dieser Form nicht; es gibt nur den Kirchenbucheintrag.
  • Taufname – der bei der Taufe vergebene Name, oft eine ganze Kette: Johann Georg Christoph.
  • Rufname – der Name, mit dem die Person tatsächlich angesprochen wurde. Und der ist bei mehrgliedrigen Namen häufig nicht der erste.

In katholischen Gebieten wurde Johann, Joseph oder bei Mädchen Maria oft als Patronatsname vorangestellt, ohne je benutzt zu werden. „Johann Georg Meyer“ hieß im Alltag Georg, unterschrieb als Georg und starb möglicherweise als Jörg. In Teilen Norddeutschlands stand der Rufname umgekehrt am Ende der Namenkette. Manche Pfarrer haben den Rufnamen unterstrichen – ein Detail, das sich zu suchen lohnt. Und Maria als zweiter Name eines Mannes (Josef Maria) ist im katholischen Raum keine Verwechslung, sondern Konvention.

Konsequenz für die Recherche: Ein Vorfahr kann in Taufe, Heirat und Sterbeeintrag unter drei verschiedenen Namen erscheinen und trotzdem dieselbe Person sein. Schließen Sie einen Treffer niemals allein wegen eines abweichenden Vornamens aus.

Die Schichten des deutschen Vornamenschatzes

  1. Germanische Namen sind zweigliedrig: Bern-hard (Bär + stark), Ger-trud (Speer + Kraft), Hilde-gard, Fried-rich. Wichtig: Die beiden Glieder ergaben zusammen oft gar keinen sinnvollen Satz. Sie wurden nach dem Prinzip der Namenvariation vergeben – das Kind erhielt je ein Namenglied von Vater und Mutter. Wiederkehrende Namenglieder in einer Sippe sind deshalb ein echter Forschungshinweis.
  2. Christlich-biblische und Heiligennamen setzten sich ab dem Hochmittelalter durch und dominierten spätestens ab dem 14. Jahrhundert: Johannes, Peter, Nikolaus, Maria, Anna, Katharina, Elisabeth, Margarethe. Die Folge ist der Kernkonflikt der Kirchenbuchforschung – in einem Dorf mit 300 Seelen heißen ein Dutzend Männer Johann.
  3. Konfessionell geprägte Namen ab der Reformationszeit: alttestamentliche Namen (Abraham, Daniel, Sara, Rebecca) im reformierten und pietistischen Umfeld, Ordens- und Gegenreformationsheilige (Aloysius, Franz Xaver, Johann Nepomuk) im katholischen Süden. Der Vorname verrät hier oft die Konfession – und damit, welches Archiv zuständig ist.
  4. Moderne Schichten ab dem 19. Jahrhundert: literarische und romantische Namen, später Moden. Für die Forschung vor 1900 spielen sie kaum eine Rolle.

Latinisierte Formen in Kirchenbüchern

Katholische und viele protestantische Kirchenbücher wurden bis ins 18., teils bis ins 19. Jahrhundert auf Latein geführt. Die Namen erscheinen dort in latinisierter Form:

KirchenbuchformDeutsche FormGebräuchliche Kurzformen
Joannes / IoannesJohann, JohannesHans, Hanß, Jan, Jean
GeorgiusGeorgJörg, Jürgen, Schorsch
HenricusHeinrichHinrich, Heinz, Hein
NicolausNikolausClaus, Klaas, Nickel
JodocusJodokusJost, Joos
CatharinaKatharinaTrine, Käthe, Cathrin
ElisabethaElisabethIlse, Lisbeth, Betty
MargarethaMargaretheGreth, Grete, Meta

Die häufigste Falle: lateinische Kasusendungen. In „Anna Maria, filia Joannis Meyer“ heißt der Vater nicht Joannis, sondern JoannesJoannis ist der Genitiv. Wer die Form ungeprüft übernimmt, führt einen Namen in seinen Stammbaum ein, den es nie gab. Bei Zweifeln hilft die Lese- und Übersetzungshilfe im Forum weiter, für unklare Begriffe die Begriffserklärung.

Ebenso wichtig: Kurzformen wurden als vollwertige Namen eingetragen. Ein „Hans Schmidt“ im Traueintrag und ein „Johannes Schmidt“ im Taufeintrag sind mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselbe Person. Deshalb führt unser Vornamenlexikon Kurz- und Koseformen als eigene Einträge mit Verweis auf die Grundform.

Wer den Namen gab: Paten, Leitnamen, Nachbenennung

Die Namenswahl war über Jahrhunderte kein Geschmacksurteil der Eltern, sondern folgte Regeln. Drei davon sind genealogisches Gold:

  • Patenbenennung. Das Kind erhielt in aller Regel den Namen seines Paten oder seiner Patin. Umgekehrt gilt: Wenn Sie den Namen kennen, kennen Sie meist auch den Paten – und Paten kamen überwiegend aus der Verwandtschaft. Die Patenliste ist häufig die wertvollste Spalte im Taufeintrag und wird von Anfängern regelmäßig übersehen.
  • Leitnamen. In vielen Regionen erhielt der erstgeborene Sohn den Namen des Großvaters väterlicherseits, der zweite den des Großvaters mütterlicherseits, entsprechend bei Töchtern. Das war Brauch, nicht Gesetz – als Arbeitshypothese aber ausgesprochen produktiv.
  • Nachbenennung (Totenname). Starb ein Kind, erhielt das nächstgeborene denselben Namen. Zwei oder drei „Anna Maria“ in einer Geschwisterreihe sind deshalb kein Abschreibfehler, sondern der Hinweis auf frühverstorbene Geschwister, deren Sterbeeinträge Sie noch nicht gefunden haben.

Namenstage

Bis weit ins 20. Jahrhundert war der Namenstag in katholischen Gegenden wichtiger als der Geburtstag. Für die Forschung hat das zwei Folgen: Kinder wurden häufig nach dem Heiligen des Tauftags benannt – der Name grenzt also das Taufdatum ein. Und ältere Einträge datieren nicht nach Kalendertag, sondern nach Heiligenfest oder Sonntag im Kirchenjahr („Dominica Cantate“). Ohne Heiligenkalender ist ein solcher Eintrag nicht auflösbar.

Was sind Nachnamen oder auch Familiennamen?

Ein Familienname ist ein erblicher, an die Familie gebundener Name. Entscheidend ist nicht seine Bedeutung, sondern seine Erblichkeit: Er geht auf die Kinder über, unabhängig davon, welchen Beruf sie ausüben oder wo sie wohnen. Genau darin unterscheidet er sich von seiner Vorstufe, dem Beinamen.

Ein „Cunrat der smit“ des 13. Jahrhunderts trug keinen Familiennamen, sondern eine Berufsbezeichnung. Sein Sohn musste kein Schmied sein und hieß möglicherweise „Cunrat am berge“. Erst als solche Zusätze weitergegeben wurden, ohne noch zuzutreffen, entstand der Familienname im heutigen Sinn – ein Vorgang, der sich über Jahrhunderte hinzog und regional völlig unterschiedlich verlief.

Wann Familiennamen entstanden

  • 12./13. Jahrhundert: Beginn in den Städten des Südwestens und des Rheinlands – Zürich, Basel, Freiburg, Köln. Träger sind zunächst Adel und städtisches Patriziat.
  • 14.–16. Jahrhundert: Ausbreitung von Süd nach Nord und von der Stadt aufs Land.
  • 16.–18. Jahrhundert: Durchsetzung in den ländlichen Gebieten Nord- und Nordostdeutschlands. In manchen Landstrichen ist der Familienname jünger als das älteste erhaltene Kirchenbuch.
  • 19. Jahrhundert: Nachzügler. In Friesland und Teilen Nordwestdeutschlands hielt sich das patronymische System, bei dem der Name mit jeder Generation wechselte; ein Ende setzten erst das napoleonische Dekret von 1811 in den französisch beherrschten Gebieten und eine Verordnung von 1826 in Ostfriesland.
  • Jüdische Bevölkerung: Feste Familiennamen wurden per Gesetz vorgeschrieben – in Österreich 1787, in Preußen mit dem Edikt von 1812, in Bayern 1813. Vorher übliche Patronyme und Herkunftsbezeichnungen wurden dabei häufig ersetzt.

Für Ihre Forschung heißt das: Je weiter Sie zurückkommen, desto weniger dürfen Sie sich auf den Familiennamen als Leitgröße verlassen. Im 16. Jahrhundert kann er in Teilen Deutschlands schlicht noch nicht existiert haben.

Erblich heißt nicht: immer gleich geschrieben

Meier, Meyer, Mayer, Maier, Mair, Mayr, Meÿer – nicht selten alles dieselbe Familie, im selben Kirchenbuch, innerhalb eines Jahrzehnts. Der Pfarrer schrieb nach Gehör, und ein Wechsel des Pfarrers bedeutete oft einen Wechsel der Schreibweise. Verbindlich festgeschrieben wurde die Orthographie eines Namens erst mit der Einführung der Standesämter (Preußen 1. Oktober 1874, im gesamten Deutschen Reich 1. Januar 1876).

Praktische Regel: Suchen Sie nie nach einer Schreibweise, sondern nach einem Klangbild. Notieren Sie zu jedem Namen alle Varianten, die Ihnen begegnen – die Kirchenbuchvarianten sind in unserem Nachnamenlexikon deshalb ein eigenes Feld. Und rechnen Sie damit, dass die Variante, die Sie brauchen, ein Buchstabe ist, den Sie in der Kurrentschrift falsch gelesen haben.

Welche Bedeutung und Herkunft haben Nachnamen / Familiennamen?

Nahezu jeder deutsche Familienname lässt sich einer von fünf Entstehungsgruppen zuordnen. Diese Einteilung ist seit dem 19. Jahrhundert Standard und in jedem seriösen Namenbuch wiederzufinden:

GruppeEntstanden ausBeispiele
1. Rufnamen
(Patronyme, Metronyme)
dem Vornamen des Vaters, seltener der MutterHermann, Peters, Petersen, Jansen, Mertens, Wenzel, Ohlsen
2. HerkunftsnamenLandschaft, Volk oder Ort, aus dem jemand zugewandert warBayer, Schwab, Böhm, Unger, Hess, Frank, Nürnberger, Pommer
3. Wohnstättennamender Lage der Wohnstätte innerhalb des OrtesBach, Berger, Steinbach, Lindemann, Brinkmann, Amend
4. Berufs- und AmtsnamenBeruf, Amt, Handelsgut oder WerkzeugMüller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber, Wagner, Meyer, Schulze, Köhler
5. ÜbernamenAussehen, Wesen, Gewohnheit, EreignisKlein, Lang, Kraus, Weiß, Kühn, Fuchs, Hase, Nagel

1. Rufnamen: der Vorname des Vaters wird zum Nachnamen

Die Bildungsweise verrät die Region: -sen in Schleswig und Friesland (Petersen, Jansen), -s als Genitiv im Rheinland und in Westfalen (Peters, Hermanns), -ing/-ink in Westfalen, slawische Suffixe wie -ek, -ke oder -czak im Osten, in der Lausitz und – durch die Industriemigration ab den 1870er Jahren – im Ruhrgebiet.

Der Sonderfall ist das echte Patronym, bei dem der Name mit jeder Generation wechselte: Hinrich Janssen ist der Sohn eines Jan; sein eigener Sohn Jan heißt Jan Hinrichs. Wer hier nach einem durchgehenden Familiennamen sucht, sucht an der falschen Stelle – und übersieht die Linie, die direkt vor ihm liegt.

2. Herkunftsnamen: der Name entsteht durch Wegzug

Ein Herkunftsname konnte nur dort entstehen, wo die Herkunft auffiel. In Bayern hieß niemand Bayer – Bayer hieß man außerhalb Bayerns. Das macht diese Gruppe für die Ahnenforschung besonders wertvoll: Der Name ist die Dokumentation einer Wanderung. Er sagt allerdings meist nur, aus welcher Landschaft jemand kam, nicht aus welchem Dorf. Bei Ortsnamen als Familiennamen (Nürnberger, Frankenberger) kommt hinzu, dass der Ortsname oft mehrfach existiert.

3. Wohnstättennamen: die Adresse vor der Hausnummer

Sie beschreiben, wo im Dorf jemand wohnte: am Bach, am Berg, bei der Linde, am Brink. Die häufigste Verwechslung: Berger bedeutet nicht „aus dem Ort Berg zugezogen“, sondern „wohnt am Berg“ – ein Wohnstättenname, kein Herkunftsname. Diese Gruppe ist eng mit der Flurnamenforschung verzahnt und entsprechend regional aufzulösen.

4. Berufs- und Amtsnamen: die größte und trügerischste Gruppe

Müller ist der häufigste deutsche Familienname, gefolgt von Schmidt, Schneider, Fischer und Weber – aus einem simplen Grund: Jedes Dorf hatte eine Mühle und eine Schmiede. Diese Namen sind deshalb polygenetisch, also hunderte Male unabhängig voneinander entstanden. Zwei Familien Müller haben statistisch nichts miteinander zu tun.

Bei der Deutung lohnt Genauigkeit: Meyer/Meier geht auf lateinisch maior zurück und bezeichnete den Verwalter oder Pächter eines grundherrlichen Hofs, im Norden auch den Vollbauern – nicht schlicht „den Bauern“. Schulze und Schultheiß meinen den Dorfvorsteher, wörtlich den, der die Schuld einfordert. Viele Berufsnamen stammen aus untergegangenen Gewerben; wer nicht weiterkommt, findet Hilfe im Forum unter Berufsbezogene Familiengeschichtsforschung.

5. Übernamen: hier ist die Unsicherheit am größten

Übernamen beschrieben Aussehen (Klein, Lang, Kraus, Weiß), Charakter (Kühn, Fromm) oder ein einzelnes Ereignis, das niemand mehr kennt. Sie sind die deutungsanfälligste Gruppe: Fuchs kann auf rote Haare, auf Schläue oder auf ein Hauszeichen „zum Fuchs“ zurückgehen – und für manche Träger auf eine Kurzform eines germanischen Namens. Genau hier ist die Angabe konkurrierender Deutungen keine Unentschlossenheit, sondern der einzig redliche Umgang mit der Quellenlage.

Sonderfälle, die Forschungen entgleisen lassen

  • Haus- und Hofnamen. In Westfalen, im Alpenraum und in Teilen Österreichs ging der Name vom Hof auf den über, der ihn bewirtschaftete. Wer einheiratete, nahm den Hofnamen an – der bisherige Familienname trat zurück. In Kirchenbüchern steht dann „Johann Meyer, vulgo Brinkmann“ oder „genannt Brinkmann“. Ein solcher Namenswechsel ist kein Schreibfehler, sondern ein Besitzübergang, und er ist der häufigste Grund dafür, dass eine Linie scheinbar abreißt.
  • Satznamen. Imperativbildungen wie Hebenstreit, Schüttensack oder Kehrwieder – ursprünglich Spottnamen, oft die letzten Zeugen längst vergessener Anekdoten.
  • Zuwanderernamen. Hugenottische Namen nach 1685 wurden vielfach eingedeutscht (Chevalier zu Schewallje), polnische und masurische Namen im Ruhrgebiet ab den 1870er Jahren teils amtlich germanisiert. Wer solche Brüche nicht kennt, verliert die Spur genau an der Stelle, an der sie interessant wird. Zum Thema Auswanderung führt das Auswanderungsforum weiter.
  • Namenszusätze. Ein „von“ ist kein Adelsnachweis. Es kann ebenso gut Bestandteil eines Wohnstätten- oder Herkunftsnamens sein (von der Heide, van den Berg). Fragen dazu gehören ins Forum Adelsforschung.

Fünf Irrtümer, die Ihre Forschung ausbremsen

  1. „Gleicher Name heißt verwandt.“ Bei häufigen Namen fast nie. Verwandtschaft belegen Urkunden, nicht Namen.
  2. „Der Name verrät den Herkunftsort.“ Nur bei Herkunftsnamen – und auch dann meist nur die Landschaft.
  3. „Zu meinem Namen gehört ein Wappen.“ Wappen gehören Familien, nicht Namen. Angebote, die Ihnen „Ihr Familienwappen“ verkaufen, sind unseriös; das Forum sammelt solche Fälle unter Abofallen und genealogische Reinfälle. Seriöse Auskünfte gibt es bei Heraldik und Wappenkunde.
  4. „Die Schreibweise unterscheidet zwei Familien.“ Vor 1876 ist die Schreibweise kein Merkmal, sondern Zufall.
  5. „Das Namenbuch nennt die Bedeutung.“ Es nennt Deutungen. Wo mehrere begründet sind, gehören sie alle genannt – mit Quelle.

Liste der Vornamen

Das Vornamenlexikon von Ahnenforschung.net ist nicht nach heutiger Beliebtheit aufgebaut, sondern nach der Häufigkeit in Kirchenbüchern zwischen 1600 und 1900. Zu jedem Namen finden Sie Herkunft und konkurrierende Deutungen, latinisierte Formen, Kirchenbuchvarianten, Kurz- und Koseformen, Aussprache, Namenstag und Hinweise zur Rufnamenpraxis.

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Die Suche verzeiht Schreibweisen: „Maier“ findet auch Meyer, Meier und Mayr.

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Liste der Nachnamen

Im Nachnamenlexikon steht bei jedem Eintrag, welcher der fünf Entstehungsgruppen er zuzuordnen ist, welche Deutungen konkurrieren und wie belastbar sie sind. Dazu kommen die für die Quellenarbeit entscheidenden Angaben: Kirchenbuchvarianten, regionale Verbreitungsschwerpunkte und Hinweise auf verwandte Namenformen.

Familiennamen nachschlagen

Die Suche verzeiht Schreibweisen: „Maier“ findet auch Meyer, Meier und Mayr.

Die Suche verzeiht Schreibweisen – „Maier“ findet auch Meyer, Meier und Mayr. Genau so sollten Sie auch in Kirchenbüchern denken.

Häufige Fragen zur Namenskunde

Was ist der Unterschied zwischen Namenskunde und Namensforschung?

Inhaltlich keiner. „Namenskunde“ und „Onomastik“ bezeichnen die wissenschaftliche Disziplin, „Namensforschung“ wird in der Genealogie meist für die Untersuchung des eigenen Familiennamens verwendet.

Seit wann gibt es in Deutschland feste Familiennamen?

Ab dem 12. Jahrhundert in den Städten des Südwestens, dann über Jahrhunderte von Süd nach Nord und von der Stadt aufs Land. In ländlichen Gebieten Nord- und Nordostdeutschlands setzten sie sich erst im 16. bis 18. Jahrhundert durch, in Friesland teils erst im 19. Jahrhundert.

Warum wird mein Nachname in alten Kirchenbüchern anders geschrieben?

Weil vor Einführung der Standesämter (1874/1876) keine verbindliche Schreibweise existierte. Der Pfarrer schrieb nach Gehör und nach eigener Gewohnheit. Suchen Sie deshalb nach Klangvarianten, nicht nach Buchstabenfolgen.

Sind alle Träger meines Nachnamens miteinander verwandt?

Bei häufigen Namen nein. Berufs- und Wohnstättennamen sind vielfach unabhängig voneinander entstanden. Nur bei sehr seltenen Namen mit engem Verbreitungsgebiet ist gemeinsame Abstammung wahrscheinlich – und auch dann muss sie belegt werden.

Gehört zu meinem Familiennamen ein Wappen?

Nein. Wappen werden von einzelnen Familien geführt, nicht von Namen. Anbieter, die „Ihr Familienwappen“ verkaufen, arbeiten unseriös.

Warum heißen in einer Familie mehrere Kinder gleich?

Weil der Name eines verstorbenen Kindes auf das nächstgeborene übertragen wurde. Mehrere gleichnamige Geschwister sind ein starker Hinweis auf frühverstorbene Kinder, deren Sterbeeinträge noch fehlen.

Weiterforschen

Namenskunde ist ein Feld, in dem Erfahrung mehr wiegt als jedes Lexikon. Im Forum für Namenkunde von Ahnenforschung.net diskutieren tausende Forscherinnen und Forscher genau die Fälle, die kein Nachschlagewerk abdeckt – seltene Namen, Namenwechsel, unklare Varianten. Ergänzend hilfreich:

Sie stehen noch am Anfang? Dann beginnen Sie mit Wie beginne ich meine Familienforschung. Für die Quellensuche stehen Ihnen die Fernabfrage über alle wichtigen Online-Archive und unser Verzeichnis der Archivadressen zur Verfügung. Aktuelles rund um Genealogie sammelt das Magazin.