Nachnamen

Ein Familienname sagt selten das, was er zu sagen scheint. Müller heißt nicht, dass es eine Müller-Sippe gäbe — den Namen gab es in tausenden Dörfern unabhängig voneinander. Ein Schulz war kein Beamter, sondern Dorfvorsteher mit eigenem Gut. Und wer im Kirchenbuch nach Schmidt sucht, findet dort Faber. Dieses Lexikon ordnet Familiennamen so ein, wie die Familienforschung sie braucht: mit der latinisierten Form, den Schreibvarianten, der regionalen Verbreitung — und dem Hinweis, welche Aktenbestände zu einem Namen weiterführen.

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Die Suche verzeiht Schreibweisen: „Maier“ findet auch Meyer, Meier und Mayr.

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Vier Irrtümer, die Ahnenlinien zerreißen

Gleicher Name heißt nicht gleiche Familie

Berufs-, Übernamen und Wohnstättennamen entstanden überall dort neu, wo es den Beruf, die Eigenschaft oder die Geländeform gab. Bei Müller, Schmidt, Bachmann oder Klein ist die Mehrfachentstehung die Regel, nicht die Ausnahme. Wer zwei gleichnamige Familien eines Dorfes zusammenführt, weil der Name übereinstimmt, verbindet fremde Linien. Entscheiden können nur Hofname, Patenschaften und Ortsangaben.

Im Kirchenbuch steht ein anderer Name

Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden Kirchenbücher lateinisch geführt — und die Familiennamen gleich mit übersetzt. Der Müller heißt dort Molitor, der Schmidt Faber oder Fabricius, der Schneider Sartorius, der Weber Textor, der Bäcker Pistor, der Schuster Sutor, der Schulz Scultetus, der Bauer Agricola. In Gelehrten- und Pfarrerfamilien blieb die lateinische Form oft dauerhaft hängen: Goethes Mutter war eine geborene Textor — die Familie hieß ursprünglich Weber.

Beim Umzug wurde der Name übersetzt

Derselbe Beruf heißt je nach Sprachlandschaft anders — und der Familienname wanderte mit. Aus dem Fleischer wird im Süden ein Metzger, im Norden ein Schlachter. Aus dem Schreiner östlich der Linie Kassel–Würzburg ein Tischler. Aus dem Wagner in Westfalen ein Rademacher, aus dem Töpfer in Bayern ein Hafner, aus dem Fuchs im Norden ein Voß. Wenn eine Linie beim Ortswechsel scheinbar abreißt, lohnt der Blick auf die Übersetzung des Berufs.

Der Name hing am Hof, nicht an der Familie

In Westfalen und Altbayern trug der Bauer den Namen seines Hofes. Heiratete ein Mann auf einen Hof ein, übernahm er dessen Namen — die Familie blieb, der Nachname wechselte. Bei Meyer, Schulte und Huber ist das der Normalfall. Achten Sie auf Doppelnamen mit Bindestrich oder Zusätze wie „Meyer zu Bergen“: Sie bezeichnen den Hof, nicht die Sippe.

Schreibweisen vergleichen

Vier Schreibungen, ein Name: Meyer, Meier, Maier und Mayer gehen alle auf den Hofverwalter zurück, lateinisch maior. Welche im Kirchenbuch steht, hing am Pfarrer und an der Landschaft — nicht an der Familie. Wer nur eine Form abfragt, verliert die Spur an jeder Pfarreigrenze.

MerkmalMeyerMeierMaierMayer
BedeutungAmtsname für den Verwalter eines Hofes, später auch GroßbauerSchreibvariante von Meyer: Hofverwalter, Großbaueroberdeutsche Schreibvariante von Meyer: Hofverwalter, GroßbauerSchreibvariante von Meyer: Hofverwalter, Großbauer
Silben2222
Aktueller Rangnicht platziertnicht platziertnicht platziertnicht platziert
Bester Rang
Trend
Spitzenjahrzehnt

Wenn die Kirchenbücher nicht weiterhelfen

Manche Namen verweisen auf eine ganz andere Überlieferung — und wer nur im Pfarrarchiv sucht, kommt dort nicht voran.

  • Friesische und schleswigsche Patronyme. Bei Janssen, Petersen, Hansen, Dirks und Harms war der Nachname vor der Festschreibung keine Familien-, sondern eine Vaterangabe: Der Vater von Jan Janssen hieß Jan, nicht Janssen. Er wechselte mit jeder Generation. Die Namensannahmeregister — Schleswig 1771, Ostfriesland 1811 — sind der entscheidende Jahrgang.
  • Jüdische Familien. Vor der staatlichen Namensannahme — Preußen 1812, Bayern 1813 — wurden Patronyme geführt. Die Matrikellisten dieser Jahre verbinden den alten Vatersnamen mit dem neuen Familiennamen. Ziernamen wie Rosenberg, Blumenthal oder Weinberg haben keinen Herkunftsort; wer danach sucht, sucht vergeblich. Katz und Kohn sind dagegen Abstammungsangaben: Kohanim, Nachkommen Aarons.
  • Zuwanderung ins Ruhrgebiet. Bei Nowak und verwandten Namen liegt der Schlüssel in den Einwohnermeldekarteien der Ruhrstädte: Die sogenannten Ruhrpolen kamen aus den preußischen Ostprovinzen, waren also deutsche Staatsangehörige — die Karteien nennen den Geburtsort.
  • Amtsträger und Sonderberufe. Küster und Schreiber haben die Quellen mitgeschrieben, die wir heute auswerten — ihre Familien sind überdurchschnittlich gut belegt. Förster, Zöllner, Kellner, Bergmann und Zeidler führen in eigene Aktenbestände, die häufig weiter zurückreichen als die Kirchenbücher.

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Ein Name, der hier fehlt, oder eine Herkunft, die Ihnen unstimmig erscheint: Im Forum für Namenkunde lesen erfahrene Forscher mit. Für schwer entzifferbare Einträge hilft die Lese- und Übersetzungshilfe, bei Wappenfragen die Heraldik und Wappenkunde.