Familienname
Richter
Rich·ter [ˈʁɪçtɐ]
Amtsname für den Richter, den Dorfrichter
Richter ist der Amtsname zu mittelhochdeutsch rihtære. In Schlesien, Böhmen und Sachsen bezeichnet er nicht den Berufsrichter, sondern den grundherrlichen Ortsvorsteher – funktionsgleich mit dem Schulzen anderer Landschaften.
Erbrichtergüter sind in Gerichtsbüchern hervorragend dokumentiert. Für Familien mit diesem Namen führt der Weg vor 1650 oft über die Gutsakten, nicht über das Kirchenbuch.
Herkunft & Bedeutung
Konkurrierende Deutungen
| Deutung | Begruendung | Quelle |
|---|---|---|
| der Richter | Amtsname zu mittelhochdeutsch rihtære. | Deutsches Familiennamenwörterbuch |
| der Dorfschulze | In Schlesien, Böhmen und Sachsen ist der Richter der grundherrliche Ortsvorsteher – funktionsgleich mit dem Schulzen anderer Landschaften. | Bahlow |
Wortbestandteile
| Bestandteil | Sprache | Uebersetzung |
|---|---|---|
| rihtære | mittelhochdeutsch | Richter, der Recht spricht |
Erstbeleg (Jahr)
13
Historische Entwicklung
In Schlesien, der Lausitz und Böhmen besonders häufig, weil dort die Erbrichter das waren, was anderswo die Erbschulzen waren: erbliche Ortsvorsteher mit eigenem Gut.
Verbreitung
Der Schwerpunkt liegt in Sachsen, Schlesien, Lausitz, Böhmen.
Der Name in der Auswanderung
In den USA meist unverändert.
Der Name in historischen Quellen
Wer in Kirchenbüchern, Musterungslisten oder Passagierlisten sucht, findet einen Namen selten so geschrieben, wie er heute geschrieben wird. Diese Formen gehören auf die Suchliste.
Latinisiert im Kirchenbuch
Historische Schreibweisen
In Kurrentschrift leicht zu verwechseln mit
Worauf im Kirchenbuch zu achten ist
Judex ist die latinisierte Form. Wie bei Schulz gilt: Der Name verweist auf eine gehobene soziale Stellung. Erbrichtergüter sind in Grundbüchern und Gerichtsakten gut dokumentiert – oft die einzige Möglichkeit, vor 1650 zurückzukommen.
Einschlägige Archive und Bestände
- Sächsisches Staatsarchiv
- Staatsarchive
- Gerichtsbücher und Erbrichtergutsakten