Ein Familienname sagt selten das, was er zu sagen scheint. Müller heißt nicht, dass es eine Müller-Sippe gäbe — den Namen gab es in tausenden Dörfern unabhängig voneinander. Ein Schulz war kein Beamter, sondern Dorfvorsteher mit eigenem Gut. Und wer im Kirchenbuch nach Schmidt sucht, findet dort Faber. Dieses Lexikon ordnet Familiennamen so ein, wie die Familienforschung sie braucht: mit der latinisierten Form, den Schreibvarianten, der regionalen Verbreitung — und dem Hinweis, welche Aktenbestände zu einem Namen weiterführen.
Familiennamen nachschlagen
Die Suche verzeiht Schreibweisen: „Maier“ findet auch Meyer, Meier und Mayr.
Nach Anfangsbuchstaben stöbern
Die Zahl unter jedem Buchstaben zeigt, wie viele Namen dort hinterlegt sind. Ein Klick filtert die Liste darunter.
- Schmidt Berufsname für den Schmied
- Schmitt Berufsname für den Schmied, mittel- und südwestdeutsche Form
- Schmitz Sohn des Schmied; rheinische Form von Schmidt
- Schneider Berufsname für den Schneider
- Scholz schlesische Form von Schulz: der Schultheiß, der Dorfvorsteher
- Schreiber Amtsname für den Schreiber
- Schreiner südwestdeutscher Berufsname für den Möbeltischler
- Schröder niederdeutscher Berufsname für den Schneider oder den Fassroller
- Schubert Berufsname für den Schuhflicker
- Schulte westfälische Form von Schulz: der Schultheiß, der Hofvorsteher
- Schulz Amtsname für den Schultheißen, den Dorfvorsteher
- Schuster Berufsname für den Schuhmacher
- Schwab der Schwabe
- Schwarz Übername nach dunkler Haar- oder Hautfarbe
- Seidel Koseform von Siegfried oder von Sigismund
- Seiler Berufsname für den Seiler
- Simon vom Rufnamen Simon: Gott hat erhört
- Sommer Übername nach der Jahreszeit
- Sonntag Übername nach dem Wochentag
- Specht Übername nach dem Vogel
- Stark Übername nach körperlicher Kraft
- Stein Wohnstättenname nach einem Fels oder einer Burg
- Steinmetz Berufsname für den Steinmetz
- Thiel Kurzform von Dietrich
- Tischler ostdeutscher Berufsname für den Möbeltischler
- Töpfer mitteldeutscher Berufsname für den Töpfer
- Unger der Ungar
- Vogel Übername nach dem Tier oder Berufsname für den Vogelfänger
- Vogt Amtsname für den Vogt, den grundherrlichen Verwalter
- Voß niederdeutscher Übername für den Fuchs
- Wächter Amtsname für den Wächter
- Wagner Berufsname für den Wagenbauer, den Stellmacher
- Weber Berufsname für den Weber
- Weinberg Wohnstättenname am Weinberg; oder Ziername
- Weiß Übername nach heller Haarfarbe oder Hautfarbe
- Wendt der Wende, der Slawe
- Werner vom Rufnamen Werner: der Wehrhafte aus dem Volk der Warnen
- Westphal der Westfale
- Widmann der Witwer; oder der Sohn einer Witwe
- Wilms Sohn des Wilhelm
- Winkler Wohnstättenname für jemanden, der in einem Winkel wohnte
- Winter Übername nach der Jahreszeit
- Wirth Berufsname für den Gastwirt oder den Hausherrn
- Wolf Übername nach dem Tier oder Kurzform von Wolfgang
- Wolff Schreibvariante von Wolf
- Zeidler Berufsname für den Waldimker
- Ziegler Berufsname für den Ziegelbrenner
- Zimmermann Berufsname für den Zimmermann
- Zöllner Amtsname für den Zolleinnehmer
Vier Irrtümer, die Ahnenlinien zerreißen
Gleicher Name heißt nicht gleiche Familie
Berufs-, Übernamen und Wohnstättennamen entstanden überall dort neu, wo es den Beruf, die Eigenschaft oder die Geländeform gab. Bei Müller, Schmidt, Bachmann oder Klein ist die Mehrfachentstehung die Regel, nicht die Ausnahme. Wer zwei gleichnamige Familien eines Dorfes zusammenführt, weil der Name übereinstimmt, verbindet fremde Linien. Entscheiden können nur Hofname, Patenschaften und Ortsangaben.
Im Kirchenbuch steht ein anderer Name
Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden Kirchenbücher lateinisch geführt — und die Familiennamen gleich mit übersetzt. Der Müller heißt dort Molitor, der Schmidt Faber oder Fabricius, der Schneider Sartorius, der Weber Textor, der Bäcker Pistor, der Schuster Sutor, der Schulz Scultetus, der Bauer Agricola. In Gelehrten- und Pfarrerfamilien blieb die lateinische Form oft dauerhaft hängen: Goethes Mutter war eine geborene Textor — die Familie hieß ursprünglich Weber.
Beim Umzug wurde der Name übersetzt
Derselbe Beruf heißt je nach Sprachlandschaft anders — und der Familienname wanderte mit. Aus dem Fleischer wird im Süden ein Metzger, im Norden ein Schlachter. Aus dem Schreiner östlich der Linie Kassel–Würzburg ein Tischler. Aus dem Wagner in Westfalen ein Rademacher, aus dem Töpfer in Bayern ein Hafner, aus dem Fuchs im Norden ein Voß. Wenn eine Linie beim Ortswechsel scheinbar abreißt, lohnt der Blick auf die Übersetzung des Berufs.
Der Name hing am Hof, nicht an der Familie
In Westfalen und Altbayern trug der Bauer den Namen seines Hofes. Heiratete ein Mann auf einen Hof ein, übernahm er dessen Namen — die Familie blieb, der Nachname wechselte. Bei Meyer, Schulte und Huber ist das der Normalfall. Achten Sie auf Doppelnamen mit Bindestrich oder Zusätze wie „Meyer zu Bergen“: Sie bezeichnen den Hof, nicht die Sippe.
Schreibweisen vergleichen
Vier Schreibungen, ein Name: Meyer, Meier, Maier und Mayer gehen alle auf den Hofverwalter zurück, lateinisch maior. Welche im Kirchenbuch steht, hing am Pfarrer und an der Landschaft — nicht an der Familie. Wer nur eine Form abfragt, verliert die Spur an jeder Pfarreigrenze.
| Merkmal | Meyer | Meier | Maier | Mayer |
|---|---|---|---|---|
| Bedeutung | Amtsname für den Verwalter eines Hofes, später auch Großbauer | Schreibvariante von Meyer: Hofverwalter, Großbauer | oberdeutsche Schreibvariante von Meyer: Hofverwalter, Großbauer | Schreibvariante von Meyer: Hofverwalter, Großbauer |
| Silben | 2 | 2 | 2 | 2 |
| Aktueller Rang | nicht platziert | nicht platziert | nicht platziert | nicht platziert |
| Bester Rang | – | – | – | – |
| Trend | – | – | – | – |
| Spitzenjahrzehnt | – | – | – | – |
Wenn die Kirchenbücher nicht weiterhelfen
Manche Namen verweisen auf eine ganz andere Überlieferung — und wer nur im Pfarrarchiv sucht, kommt dort nicht voran.
- Friesische und schleswigsche Patronyme. Bei Janssen, Petersen, Hansen, Dirks und Harms war der Nachname vor der Festschreibung keine Familien-, sondern eine Vaterangabe: Der Vater von Jan Janssen hieß Jan, nicht Janssen. Er wechselte mit jeder Generation. Die Namensannahmeregister — Schleswig 1771, Ostfriesland 1811 — sind der entscheidende Jahrgang.
- Jüdische Familien. Vor der staatlichen Namensannahme — Preußen 1812, Bayern 1813 — wurden Patronyme geführt. Die Matrikellisten dieser Jahre verbinden den alten Vatersnamen mit dem neuen Familiennamen. Ziernamen wie Rosenberg, Blumenthal oder Weinberg haben keinen Herkunftsort; wer danach sucht, sucht vergeblich. Katz und Kohn sind dagegen Abstammungsangaben: Kohanim, Nachkommen Aarons.
- Zuwanderung ins Ruhrgebiet. Bei Nowak und verwandten Namen liegt der Schlüssel in den Einwohnermeldekarteien der Ruhrstädte: Die sogenannten Ruhrpolen kamen aus den preußischen Ostprovinzen, waren also deutsche Staatsangehörige — die Karteien nennen den Geburtsort.
- Amtsträger und Sonderberufe. Küster und Schreiber haben die Quellen mitgeschrieben, die wir heute auswerten — ihre Familien sind überdurchschnittlich gut belegt. Förster, Zöllner, Kellner, Bergmann und Zeidler führen in eigene Aktenbestände, die häufig weiter zurückreichen als die Kirchenbücher.
Sie kommen nicht weiter?
Ein Name, der hier fehlt, oder eine Herkunft, die Ihnen unstimmig erscheint: Im Forum für Namenkunde lesen erfahrene Forscher mit. Für schwer entzifferbare Einträge hilft die Lese- und Übersetzungshilfe, bei Wappenfragen die Heraldik und Wappenkunde.